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ABRISS EISSTADION

Brief an alle Stadtverordneten




Teichhaus GmbH, Nördlicher Park 17-18, 61231 Bad Nauheim
An
alle Stadtverordneten

61231 Bad Nauheim


Montag, 23. April 2007


Bauvorhaben Abriss Colonel Knight Eisstadion/Wohnbebauung und Bebauung ehemaliges Stollgelände

Sehr geehrte Damen und Herren Stadtverordnete,
Dem WZ –Artikel vom 20.April 2007 konnten / mussten wir, die Teichhaus GmbH, erste Schritte bezüglich des Abrisses des alten Eisstadions sowie einer möglichen Neubebauung entnehmen.
Bisher wurden wir als unmittelbare Nachbarn nicht von diesem Sachverhalt unterrichtet, was uns sehr verwundert.
Es ist für uns unverständlich, dass ein Bauvorhaben dieser Größenordnung nicht mit uns, den unmittelbar Betroffenen, vorher besprochen wurde.
Aus den verschiedensten Gründen und Überlegungen sind wir zu der Überzeugung gekommen, dass ein Abriss der alten Stadions sowohl für Bad Nauheim als auch für den Bad Nauheimer Eishockeysport jeglichen Sinn und Zweck verfehlt.
Wir möchten Ihnen an dieser Stelle einige diese Gründe darlegen:
Das alte Stadion im Kurpark ist ein bundesweiter Imageträger für die Stadt
Bad Nauheim.
Die umfangreiche Renovierungen der sanitären Anlagen, des neuen Anbaus mit zusätzlichen Umkleidekabinen und Toiletten, die neue Eismaschine/Eistechnik und der neue, begehbare Stadionboden sowie der Neubau des Schankhauses „Südkurve“ haben erhebliche Kosten zu Lasten des Steuerzahlers verursacht.
Ein jetziger Abriss käme einer unverantwortlichen Verschwendung von Steuermitteln gleich.
Der Bau einer Mehrzweckarena mit Schwerpunkt Eishockey wird kurz- bzw. mittelfristig das Aus für den Bad Nauheimer Profieishockeysport bedeuten.
Hierzu folgende Gründe:
Zu geringe Sitzplatzkapazitäten (3.000 Plätze sind eindeutig für höhere Ligen zu wenig).
Keine Stehplätze.
Keine realistische Reduzierung der Betriebskosten!

Was kostet zum Beispiel die Eisbereitung pro Spiel und Training, wenn zwischendurch für Kleinveranstaltungen, Konzerte mit bis zu 3000 Zuhörern, das Eis abgetaut werden werden muß?
Die Konsequenz des Auf – und Abtauens des Eises hätte zur Folge, dass die Betriebskosten mit Sicherheit so hoch werden, wie beim jetzigen, alten Stadion.
Die Errichtung einer Mehrzweckarena wird das Vereinsleben und die tägliche sportliche Beschäftigung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen (mehr als 200), ohne den öffentlichen Eislauf entscheidend einschränken.
Das in der WZ – veröffentlichte Investitionsvolumen wird unserer Meinung nach kein qualitativ hochwertiges neues Stadion zur Folge haben. Hierzu sollten Sie sich negative Beispiele wie z.B. das neue Heilbronner Stadion anschauen.
In unseren Augen ist es sinnvoller das alte Colonel Knightstadion, welches bei der Namensgebung vor wenigen Jahren noch als Traditionsstadium gepriesen wurde, effektiv umzubauen und zu erweitern, um die laufenden Betriebskosten zu reduzieren und mittelfristig Gewinne zu erzielen.

Einige mögliche Maßnahmen zur effektiven Kostensenkung und Einnahmensteigerung im Colonel Knight Stadion:

Anhebung des Stadiondaches im Hydraulikverfahren um 1-3 Meter um mehr Raummöglichkeiten zu erschließen.
Schaffung einer Solaranlage auf dem Stadionflachdach.
Nutzung eines Wärmekopplungssystems zur Reduzierung der Betriebskosten
Baumaßnahmen, die bei Bedarf von Großveranstaltungen ( Lärmschutz )eine Umwandlung in ein geschlossenes Stadion ermöglichen.
Schaffung einer zweiten Eisfläche im Norden Richtung Golfplatz, so dass finanzielle Mehreinnahmen durch den öffentlichen Eislauf während den Trainingszeiten der Vereine erzielt werden können.
Professionelles langfristiges Marketing mit Einbindung von 2 – 3 Hauptsponsoren.
Gründung eines Eishockeyinternates.

Mit einer einmaligen mit Sicherheit nicht niedrigen Investition in das alte Stadion ließe sich unserer Meinung nach ein sich selber tragendes Eisstadion verwirklichen. Tradition verpflichtet und einen solchen Imageträger sollte man unserer Meinung nach nicht so leichtfertig aufgeben.

Haben Sie wirklich genau bedacht, welche Ausmaße der Bau von 70 Eigentumswohnungen am Großen Teich zur Folge haben würde?
Eine Extremste Verkehrsbelastung folgender Strassen und Wohnbereiche, die schon durch die Bebauung der alten Staatsbadsgärtnerei deutlich zunehmen wird, wäre die Folge:
Terrassenstrasse, Burgallee, Nördlicher Park, oder für den Fall einer Öffnung des Frauenwaldes, der Frauenwald als solcher.
Fügt sich ein solches Bauvorhaben Ihrer Meinung nach wirklich in die Kurparklandschaft?
Aufgrund der anstehenden Wohnungsbebauung auf dem Gebiet der Housing Area stellt sich uns des Weiteren die Frage nach der Notwendigkeit im Hinblick auf den Bad Nauheimer Wohnungsmarkt.

Die Bebauung des ehemaligen Stollgeländes halten wir für begrüßenswert und für die Bad Nauheimer Stadtentwicklung für unabdingbar, jedoch scheint uns der Preis der hierfür bezahlt werden soll, für eindeutig zu hoch.
Warum übergibt man beispielsweise nicht die Housing Area der Investorengruppe für einen Preis, der die notwendigen Investitionen in das Colonel Knightstadion ermöglicht? Ist das Risiko eines zweiten Kurparkplaza bei dem geplanten Deal mit der Investorengruppe nicht doch zu hoch?

Aufgrund der Tatsache, dass die Planungen für das Bauvorhaben seit drei Jahren laufen, die Öffentlichkeit und wir als betroffene Nachbarn in einer Art des Hauruckverfahrens darüber aus der Presse erfahren mussten, sind uns einige Zweifel an dem Projekt Eisstadion / Stollgelände gekommen.
Sicherlich ist es auch für uns als Teichhaus GmbH finanziell nicht unerheblich eine voraussichtliche Bauzeit von 1 – 2 Jahren wirtschaftlich zu überstehen. Zu Ihrer Kenntnis mussten wir in den Jahren der Teichumgestaltung ( 2 Jahre kein Wasser im Teich mit starker Geruchsbelästigung ) enorme finanzielle Einbußen hinnehmen, von denen wir uns erst heute finanziell langsam erholen. Einen erneuten finanziellen Einbruch solchen Ausmaßes ist für einen aus ausschließlich Privatgeldern finanzierten Gastronomiebetrieb wirtschaftlich wahrscheinlich nicht zu verkraften.
In unseren Augen ist das alte Stadion ein Traditionsstadion und fügt sich trotz der Größe sehr gut in den Kurpark ein. Wir möchten an dieser Stelle darauf hinweisen, dass wir ein Gutachten bezüglich des Denkmalschutzes / Ensembleschutzes in Auftrag gegeben haben. Eine feierliche Namensgebung, oben aufgeführte Renovierungen in nicht unerheblicher Höhe aus Steuergeldern in den letzten 3 Jahren verträgt sich mit einem geplanten Abriss nicht.

Wir möchten Sie an dieser Stelle bitten, Ihre Abstimmung bezüglich des Vorhabens zu verschieben, um sich ein vollständiges Bild der Auswirkungen eines solchen Vertragsabschlußes machen zu können. Wir hatten den Eindruck als seien auch Sie, die Stadtverordneten, erst kürzlich mit der Thematik vertraut gemacht worden, so dass eine wirklich konstruktive Auseinandersetzung mit dem gesamten Vorhaben durch Sie nicht erfolgen konnte. Oder handelt es sich bei der bisher ausbleibenden öffentlichen Diskussion / mangelnder Bekanntmachung um Absicht, um das mögliche Entstehen einer neuen Bürgerinitiative zu verhindern?
Als Bad Nauheimer Bürger und Gewerbetreibende bitten wir Sie, die Konsequenzen eines solchen Vorhabens zu überdenken. Für Alternativen sollten
wir Bad Nauheimer Bürger mit allen Beteiligten, insbesondere Eishockeyvorstände, Eiskunstlaufverantwortliche, Sportler, Eismeister, sonstige freiwillige Helfer und Handwerker, wie Dachdecker und Ingenieure und Gastronomen ein preisgünstiges Konzept entwickeln, was die Zukunft des Eissports und des Colonel Knight Stadions für die nächsten Jahrzehnte sichert und auf finanziell gesunde Beine stellt.

Wir haben dieses Schreiben den Stadtverordneten aller Parteien persönlich zugesandt, um eine mögliche teure Fehlentscheidung zu verhindern, denn ist das Kind erst in den Brunnen gefallen,……! Einen anderen Weg konnten wir aufgrund des Zeitdruckes leider nicht wählen.
Wir halten es jedoch für unabdingbar der Öffentlichkeit einige Fakten zu erläutern und Fragen zu beantworten, die sich bei der Umsetzung dieses Projektes stellen. Alternativen gibt es unserer Meinung nach reichlich.
Eine Verschiebung der Abstimmung würde eine konstruktive Auseinandersetzung mit der Thematik erlauben und dem Vertrauen und der Glaubwürdigkeit in die Bad Nauheimer Stadtpolitik sicherlich nicht schaden.
Unserer Gesprächsbereitschaft können Sie sich gewiss sein und wir würden uns freuen mit allen Parteien konstruktive Gespräche zu führen.


Mit freundlichen Grüßen

Teichhaus GmbH

Frank Eckardt


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